Nebelburg






An Orten stehen und sie ansehen und sich erinnern und fragen, wozu man das noch tut.
Ich glaube nicht mehr. Das ist die einfache Wahrheit. Ich glaube an so vieles nicht mehr, nicht einmal an ein paar der Dinge, die ein Leben lang zwischen mir und meinen Abgründen lagen, fein verwoben gleich einem Netz, das mich am Fallen hinderte.
Jetzt lächelt er, dieser eine letzte Abgrund. Vielleicht weiß er nach all der Zeit, daß er gewinnen wird. Vielleicht hat er das schon immer gewusst, während ich noch in den letzten Ecken meines entleerten Universums nach so etwas Dummem wie Hoffnungen suchte. Doch ich mußte es tun, mußte da raus, das Leben lieben, das ich nie hatte, die Regeln lernen, die ich nie befolgen wollte, um sie jedes Mal erst recht zu ignorieren. Also tat ich es mit jeder jämmerlichen Faser meiner Existenz und nun glaube ich nicht mehr daran. Jetzt muss ich ins Meer geworfen werden, mit einem verdammten Mamorklotz an meinem Bein (Das linke, nehmt das linke!) oder in einen brennenden Vulkan, was eben näher liegt, was man eben mehr liebt. Doch die wahre Tragödie ist: Nicht einmal daran glaube ich noch. Denn inzwischen taumelt da hinter allem eine dunkle, kleine Ahnung am Horizont: Es ist mir nicht mehr möglich in einer Welt zu leben, in der mir das Fallgeräusch einer Feder oder eines Katzenschnurrhaars das Herz zerfetzt.

An Orten stehen und sie ansehen und sich erinnern und fragen, wozu man das noch tut.

14.1.16 18:05
 


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