Nebelburg






Beim mittäglichen Spaziergang mit dem Eigentlich Fremden - fast schon so was wie ein festes Ritual inzwischen - stellte ich beinahe schockiert fest, daß es Herbst wird. Die Bäume, unter denen wir uns hindurch ducken mußten, haben es mir verraten. Gelbbraune Flecken auf den grünen Blättern, die Tag um Tag größer werden.
Es ist ein falsches Bild ...

Nicht, daß ich den Herbst nicht lieben würde. Im Gegenteil. Normalerweise sehne ich mich ihm entgegen, aber in diesem Jahr ist es irgendwie seltsam. Es ist zu früh für Herbst. Ich bin noch nicht so weit, kann mich aus diversen Gründen noch nicht daran gewöhnen, daß der Winter so schnell nähergekommen ist. Abends wird es schon so früh dunkel und mein Kopf versteht nicht so ganz, wie dieses Bild mit den farbenfrohen Sommerphotos in meinem Kalender zusammenpassen soll ...

Und überhaupt "Sommer"?
Wo war der denn dieses Jahr? Ich erinnere mich nur an vier ekelhaft heiße Wochen, die ich lauthals verflucht habe. Aber mein Sommer? Wo waren denn meine lauen Sommernächte (wahlweise mit oder ohne Gewitter) auf dem Balkon? Wo waren die Nachtspaziergänge durch warme Vollmondnächte und dunkle Neumonde?
All das gab es dieses Jahr nicht ...

Und überhaupt "Jahr"?
Wo war denn dieses Jahr? Die letzte klare Erinnerung liegt zwölf Monate zurück, als wir anfingen, uns langsam wirklich auf die "Winterreise" vorzubereiten. Doch dann? Da sind seither nur eine Handvoll einzelner Tage, die im Gedächtnis geblieben sind.
Okay, ab April leuchtet es mir fast ein, da war ich stellenweise so vollgepumpt mit Medikamenten, daß es mich eigentlich nicht wundern sollte ... und trotzdem ... auch die Monate davor sind nur ein schwarzes Loch ...

"... wieder mal nen Tag verschenkt ..."

6.9.06 23:13
 


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